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AthleteCue · Ausgabe August 2026

Zuletzt aktualisiert am 25. August 2026

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Schwimmen · Technik

Wende und Unterwasserphase

Zwischen Start und Ziel liegt bei jedem Rennen mindestens eine Wand. Was dort geschieht, ist von der Tribüne aus kaum zu sehen und im Ergebnis trotzdem deutlich messbar — die Wende ist eine eigene Disziplin innerhalb des Rennens.

Nadine Brunner Leichtathletik und Schwimmen 19. August 2026

Ein Rennen über hundert Meter enthält im kurzen Becken drei Wenden, im langen Becken nur eine. Allein daraus ergeben sich unterschiedliche Anforderungen an Technik und Renneinteilung: Wer auf der Kurzbahn schnell ist, muss die Wand beherrschen; wer auf der Langbahn schnell ist, muss die Lage über weite Strecken halten. Zeiten aus beiden Beckenlängen werden deshalb getrennt geführt.

Das Anschwimmen entscheidet die Wende

Der häufigste Fehler liegt nicht in der Drehung, sondern davor. Wer zu früh gleitet, verliert Geschwindigkeit, die anschliessend an der Wand neu aufgebaut werden muss. Die letzten Züge vor der Wand werden deshalb bewusst durchgezogen, und der Blick nach unten dient der Orientierung an den Bodenmarkierungen, nicht der Kontrolle des Feldes.

Hilfreich ist ein festes Zählmuster: Von der Fahne oder von einer Bodenmarkierung an folgen immer gleich viele Züge bis zur Wand. Dieses Muster wird im Training so lange wiederholt, bis es auch unter Belastung stabil bleibt. Es ist der Grund, weshalb erfahrene Schwimmerinnen und Schwimmer die Wand kaum je verfehlen, obwohl sie im Rennen nicht nach vorn schauen.

Vier Abschnitte einer Rollwende

Eine Rollwende besteht aus Anschwimmen, Drehung, Abstoss und Übergang. Die Drehung selbst ist eine kompakte Bewegung um die Querachse: Der Kopf geht nach unten, die Hüfte klappt nach, die Beine folgen. Die Füsse sollten die Wand mit angewinkelten Beinen erreichen, damit der Abstoss überhaupt Kraft entwickeln kann — gestreckte Beine an der Wand bedeuten verschenkten Weg.

Beim Abstoss liegt der Körper bereits schmal: Arme gestreckt über dem Kopf, Hände übereinander, Kopf zwischen den Oberarmen. Diese Lage ist strömungsgünstiger als jede Schwimmbewegung an der Oberfläche. Wer sie erst nach dem Abstoss einnimmt, verliert genau in dem Moment Geschwindigkeit, in dem am meisten davon vorhanden ist.

Im Brust- und Schmetterlingsschwimmen sowie beim Wechsel innerhalb der Lagen gelten eigene Vorgaben für den Anschlag: Die Wand muss mit beiden Händen gleichzeitig berührt werden. Bei Rücken und Freistil ist die Berührung mit einem beliebigen Körperteil zulässig, weshalb dort die schnellere Rollwende möglich ist.

Die Wand ist der einzige Ort im Becken, an dem Geschwindigkeit geschenkt wird — und der einzige, an dem sie verloren geht.

Warum die Unterwasserphase begrenzt ist

Nach dem Abstoss folgt die Unterwasserphase, und das Regelwerk begrenzt sie: Nach Start und Wende muss der Kopf spätestens nach fünfzehn Metern die Wasseroberfläche durchbrochen haben. Im Brustschwimmen gilt eine eigene Vorgabe dafür, welche Bewegungen unter Wasser erlaubt sind — ein Armzug, ein Beinschlag, ein Delfinkick, und zwar in festgelegter Reihenfolge.

Die Grenze existiert, weil die Unterwasserlage strömungsgünstiger ist als das Schwimmen an der Oberfläche. Ohne Regel würden ganze Bahnlängen getaucht, was die Wettkämpfe verändern und die Belastung deutlich erhöhen würde. Die Fünfzehn-Meter-Marke ist an den Bahnleinen erkennbar, an denen die Farbe wechselt.

Trainiert wird diese Phase getrennt vom Schwimmen. Ein Delfinkick aus der Hüfte, eine schmale Körperlage und eine ruhige Kopfhaltung sind dabei wichtiger als reine Beinkraft. Start und Wende beruhen auf verwandten Fähigkeiten, sind aber nicht dasselbe: Der Start beginnt aus der Ruhe, die Wende aus voller Fahrt.

Bahnleinen in einem Hallenbad, das Wasser liegt ruhig
Der Farbwechsel an den Bahnleinen markiert die Strecke, die nach Start und Wende höchstens unter Wasser zurückgelegt werden darf.

Das Protokoll am Beckenrand

An jeder Bahn steht eine Person, die den Wendevorgang beurteilt. Beobachtet werden der Anschlag, die Reihenfolge der Bewegungen und der Moment, in dem der Kopf wieder auftaucht. Eine Beanstandung wird schriftlich festgehalten und an die Schiedsrichterin oder den Schiedsrichter weitergeleitet; erst dort fällt die Entscheidung über eine Disqualifikation.

Weil es sich um eine Beobachtung mit blossem Auge handelt, arbeiten grosse Veranstaltungen zusätzlich mit Aufzeichnungen aus fest montierten Kameras. Sie dienen der Überprüfung, ersetzen aber nicht die Person am Beckenrand. Wer eine Entscheidung anfechten will, tut das über den im Reglement vorgesehenen Weg und innerhalb einer festen Frist.

Für das Training ist dieser Ablauf nützlicher als jede Diskussion über Einzelfälle: Wer weiss, worauf am Beckenrand geachtet wird, übt genau diese Punkte. Sauberer Anschlag, klare Reihenfolge, rechtzeitiges Auftauchen — drei Merkmale, die sich einzeln kontrollieren lassen.

Wenn die Anlage mitspielt

Auch die Anlage selbst wirkt auf die Wende. Ein Becken gilt als schnell, wenn es Wellen zuverlässig abführt, statt sie zurückzuwerfen: ausreichende Tiefe, Überlaufrinnen an allen Seiten, Bahnleinen, die Bewegung schlucken. Bei grossen Anlässen bleiben die äusseren Bahnen häufig frei, damit die Reflexion an der Wand die belegten Bahnen nicht erreicht.

Nichts davon macht aus einem durchschnittlichen Rennen ein aussergewöhnliches. Die Bedingungen erklären aber, warum Zeiten aus verschiedenen Hallen nur eingeschränkt vergleichbar sind — ähnlich wie in der Leichtathletik, wo Wind und Höhenlage im Protokoll stehen. Wer Ergebnisse einordnen will, sollte deshalb wissen, in welchem Becken und über welche Beckenlänge sie entstanden sind.