Reaktion am Start, Zwischenzeiten, Windmessung: Ein Protokoll erzählt ein Rennen genauer als jede Zusammenfassung — vorausgesetzt, man weiss, welche Spalten zusammengehören und welche Angaben nur unter gleichen Bedingungen vergleichbar sind.
NB Nadine BrunnerLeichtathletik und Schwimmen21. August 2026
Vierundzwanzig Sekunden, eine Mittellinie und mehrere kurze Fristen: Weil jeder Angriff zeitlich gedeckelt ist, erhalten beide Mannschaften ähnlich viele Ballbesitze. Genau daraus entsteht die Rechnung, die Leistungen vergleichbar macht.
Länge der Dornen, Zahl der Aufnahmen, Steifigkeit der Sohle: Schuhe für Bahn, Halle und Sprunganlagen unterscheiden sich deutlicher, als es von aussen aussieht.
Sand, Hartplatz, Rasen und die Varianten in der Halle bestimmen, wie hoch der Ball abspringt, wie lange ein Ballwechsel dauert und welche Schlagauswahl sich lohnt.
Meinungsbeiträge zur Arbeitsweise dieses Magazins — gekennzeichnet und getrennt von den erklärenden Texten.
Radsport
Ein Rennen liest sich nicht in Zahlen
Wer nur auf Zeiten schaut, verpasst den Moment, in dem eine Entscheidung fällt.
Auf der Bahn entscheidet selten die höchste Geschwindigkeit, sondern die Position eine halbe Runde davor. Wer das sehen will, muss den Blick von der Uhr lösen und auf die Linien am Belag richten.
Deshalb halte ich Zahlen für einen guten Nachtrag und einen schlechten Anfang. Sie erklären, was passiert ist, nachdem man verstanden hat, warum es passiert ist.
MO Marc Oberholzer
Tennis
Der Belag ist kein Urteil
Ein Untergrund bevorzugt keine Person. Er bevorzugt eine Art zu spielen.
Über Beläge wird gern so gesprochen, als teilten sie ein Feld in Begabte und Benachteiligte. Tatsächlich verschieben sie nur die Gewichte: Absprunghöhe, Zeit zwischen den Schlägen, Belastung in der Beinarbeit.
Wer den Wechsel im Kalender ernst nimmt, sieht deshalb keine Rangfolge, sondern eine Aufgabe. Sie besteht darin, dieselben Fähigkeiten unter anderen Bedingungen abzurufen.
IS Ilona Stucki
Infrastruktur
Eine Halle spricht vor dem ersten Ball
Sichtlinien, Wege und Licht entscheiden mit, wie ein Spiel wahrgenommen wird.
Bevor eine Halle bespielt wird, ist sie bereits eine Aussage: über Blickwinkel, über Nähe zum Feld, über die Frage, wie viele Menschen gleichzeitig hinauskommen müssen.
Wer eine Anlage betritt und zuerst die Sitzreihen betrachtet, versteht das Spiel danach anders. Die Architektur ist kein Rahmen um den Sport, sie ist Teil seiner Wahrnehmung.
RZ Rafael Zbinden
Vollständiger Beitrag · Leichtathletik
Was ein Rennprotokoll wirklich verrät
NB Nadine Brunner21. August 2026Lesezeit rund sechs Minuten
Ein Rennprotokoll sieht auf den ersten Blick aus wie eine Liste mit Namen und Zeiten. Tatsächlich ist es ein Messbericht. Jede Spalte hält fest, unter welchen Bedingungen eine Zeit zustande kam; erst zusammen ergeben die Angaben ein Bild davon, wie ein Rennen verlaufen ist. Wer nur auf die Endzeit schaut, verliert die Hälfte der Information.
Die erste Spalte: die Reaktion
Moderne Startblöcke arbeiten mit Drucksensoren. Sie halten fest, wann der Fuss die Fussplatte belastet — nicht, wann sich der Körper sichtbar löst. In der Spalte für die Reaktionszeit steht deshalb die Spanne zwischen dem Startsignal und einer messbaren Kraftänderung. Unterschreitet dieser Wert die im Regelwerk festgelegte Schwelle, wertet die Jury den Start als Fehlstart: Die Bewegung kann dann nicht mehr auf das Signal zurückgehen.
Eine schnelle Reaktion ist ein Vorteil, aber ein kleiner. Über die Sprintstrecken liegen zwischen der schnellsten und der langsamsten Reaktion eines Feldes meist nur wenige Hundertstelsekunden. Wichtiger ist, wie sauber die ersten Schritte aus dem Block gesetzt werden, wie der Oberkörper aufgerichtet wird und wann die Schrittlänge zunimmt — und davon steht nichts im Protokoll.
Zwischenzeiten erzählen die Taktik
Auf den Mittel- und Langstrecken sind die Zwischenzeiten die eigentliche Erzählung. Sie zeigen, ob ein Rennen gleichmässig aufgeteilt wurde oder ob am Anfang zu viel investiert wurde. Ein Feld, das die zweite Hälfte schneller läuft als die erste, hat taktisch gearbeitet; eine deutlich einbrechende Schlussrunde spricht für ein hohes Anfangstempo. Auf den Sprintstrecken ersetzen Abschnittsmessungen die Rundenzeiten: Sie halten fest, wo die Höchstgeschwindigkeit erreicht wurde und wie lange sie sich halten liess.
Wind, aber nur im Freien
Draussen steht neben Sprint- und Sprungergebnissen eine Windangabe. Gemessen wird die Komponente in Laufrichtung, an einer vorgeschriebenen Stelle der Bahn und über ein im Regelwerk festgelegtes Zeitfenster. Für Bestenlisten und Rekorde gilt eine Grenze von zwei Metern pro Sekunde Rückenwind. Darüber bleibt die Zeit für das Rennen gültig, nicht aber für die Listen. In der Halle entfällt die Angabe, weil keine nennenswerte Luftbewegung auftritt — einer der Gründe, weshalb Hallenergebnisse getrennt geführt werden.
Ein Protokoll ist kein Ergebniszettel. Es ist ein Messbericht mit sehr genauen Fussnoten.
Dazu kommen Angaben, die leicht überlesen werden: die Bahnnummer, die Höhenlage des Austragungsorts, die Art der Zeitmessung. Eine handgestoppte Zeit ist mit einer elektronisch gemessenen nicht vergleichbar; ein Sprintergebnis aus grosser Höhe ist anders zu lesen als eines auf Meereshöhe, weil der Luftwiderstand geringer ausfällt. Protokolle sind deshalb keine Rangliste, sondern eine Sammlung von Bedingungen.
Startblöcke halten über Sensoren fest, wann Druck auf die Fussplatten kommt. Die Reaktionszeit im Protokoll stammt aus dieser Messung.
Wer zwei Zeiten vergleichen will, sollte immer dieselben vier Fragen stellen: drinnen oder draussen, welcher Wind, welche Zeitmessung, welche Bahn. Stimmen die Antworten überein, sagt der Vergleich etwas aus. Stimmen sie nicht überein, bleibt eine Erzählung, die sich gut anhört und wenig erklärt. Genau deshalb veröffentlichen Veranstalter Protokolle vollständig — und nicht nur die Reihenfolge im Ziel.
Themen
Drei Zugänge zu denselben Regeln
Dieselben Beiträge, nach Fragestellung sortiert. Die Sammlungen wechseln ohne Nachladen.
Anlaufspur, Tisch und Aufsprunghang sind vermessene Bauteile.
Terminübersicht
Ende August und September 2026
Eine Auswahl langfristig angekündigter Grossanlässe — ohne Ansetzungen, ohne Paarungen, ohne Ergebnisse.
Angekündigte Sportanlässe in zwei Zeiträumen: Ende August 2026 und September 2026.
Zeitraum
Sportart
Ereignis
Ort
Status
Ende August 2026
Letzte Augustwoche
Radsport
Vuelta a España, zweite Rennwoche
Spanien
Grand Tour
Ende August
Leichtathletik
Abschliessende Diamond-League-Meetings
Europa
Serie
Ende August
Tennis
US Open, erste Turnierwoche
New York, USA
Grand Slam
September 2026
Anfang September
Leichtathletik
Meetings der Continental Tour
Europa
Serie
Bis Mitte September
Tennis
US Open, Schlussphase
New York, USA
Grand Slam
Bis Mitte September
Radsport
Vuelta a España, Schlussphase
Spanien
Grand Tour
Mitte September
Tennis
Davis Cup, Gruppenphase der Finalrunde
verschiedene Orte
Teamwettbewerb
September
Schwimmen
Beginn der Vereins- und Ligasaison
Europa
Saisonauftakt
September
Skisport
Gletschertraining und Vorbereitung der Weltcup-Teams
Alpenraum
Vorbereitung
Ende September
Radsport
UCI-Strassen-Weltmeisterschaften
Montréal, Kanada
WM
Letztes September-Wochenende
Leichtathletik
Berlin-Marathon
Berlin, Deutschland
City-Marathon
Ende September
Basketball
Saisonstart der nationalen Ligen
Europa
Ligastart
Aufgenommen sind ausschliesslich Anlässe, die von den jeweiligen Organisationen langfristig angekündigt wurden und über mehrere Tage laufen. Die Übersicht ersetzt keine offiziellen Reglemente: Verbindliche Daten, Startzeiten und Teilnahmelisten führen die Veranstalter selbst, und kurzfristige Verschiebungen sind jederzeit möglich.
Vollständiger Beitrag · Basketball
Die Uhren im Basketball und was sie erzwingen
RZ Rafael Zbinden20. August 2026Lesezeit rund fünf Minuten
Basketball ist eine Sportart mit mehreren Uhren, und jede von ihnen erzwingt eine Entscheidung. Die Spieluhr teilt die Partie in Viertel, die Angriffsuhr begrenzt jeden einzelnen Ballbesitz, und daneben laufen kurze Fristen für das Überqueren der Mittellinie, für den Einwurf und für den Aufenthalt in der Zone. Wer diese Fristen kennt, sieht ein Spiel nicht mehr als Abfolge von Aktionen, sondern als Abfolge von Ballbesitzen.
Die Angriffsuhr macht das Spiel vergleichbar
Nach dem internationalen Regelwerk hat eine Mannschaft vierundzwanzig Sekunden Zeit, um zum Korbwurf zu kommen. Berührt der Ball nach dem Wurf den Ring, beginnt die Frist erneut — bei einem Offensivrebound allerdings verkürzt, was schnelle zweite Abschlüsse belohnt. Zusätzlich muss der Ball innerhalb einer kurzen Frist über die Mittellinie gebracht werden; danach darf er nicht mehr ins eigene Feld zurück.
Der eigentliche Effekt dieser Regel ist statistischer Natur. Weil beide Mannschaften abwechselnd angreifen und jeder Angriff zeitlich gedeckelt ist, erhält am Ende jede Seite annähernd gleich viele Ballbesitze. Genau das macht Leistungen vergleichbar: Nicht die Punktzahl allein zählt, sondern das Verhältnis von Punkten zu Ballbesitzen.
Wie ein Ballbesitz gezählt wird
Ein Ballbesitz beginnt, wenn eine Mannschaft die Kontrolle über den Ball erlangt, und endet mit einem Wurf, einem Ballverlust oder dem letzten Freiwurf. Ein Offensivrebound verlängert denselben Ballbesitz, statt einen neuen zu eröffnen — sonst würde eine Mannschaft allein durch Rebounds rechnerisch mehr Angriffe erhalten als die andere. Aus Feldwurfversuchen, Ballverlusten und Freiwurfsituationen lässt sich die Zahl der Angriffe deshalb gut annähern.
Aus dieser Zählung folgen die beiden Begriffe, die in Spielberichten am häufigsten auftauchen. Das Tempo beschreibt, wie viele Ballbesitze eine Mannschaft in einer Partie erzeugt; die Effizienz beschreibt, wie viele Punkte sie je Ballbesitz erzielt. Eine Mannschaft kann viel punkten, weil sie schnell spielt, und trotzdem ineffizient sein — und umgekehrt.
Die Uhr verteilt die Angriffe gleichmässig. Alles Weitere ist eine Frage dessen, was eine Mannschaft daraus macht.
Die kurzen Fristen und ihre Wirkung
Neben der Angriffsuhr gibt es Fristen, die im Verborgenen wirken. In der Zone unter dem Korb darf sich eine angreifende Person nur begrenzte Zeit aufhalten, was das dauerhafte Blockieren des Raums verhindert. Eng gedeckt und ohne zu spielen darf der Ball ebenfalls nur kurz geführt werden, und auch für den Einwurf läuft eine Frist.
Zusammen erzeugen diese Regeln den Rhythmus, den man von aussen als Tempo wahrnimmt. Sie sind der Grund, weshalb Basketball selten stehenbleibt: Jede Sekunde ohne Entscheidung ist eine verlorene Sekunde. Verteidigungen nutzen das aus, indem sie nicht den Ball, sondern die Zeit angreifen — ein Gedanke, der auch hinter der Zonenverteidigung steht.
Ringhöhe, Zonenmarkierung und Abstand der Drei-Punkte-Linie sind im Regelwerk festgelegt. Erst dadurch bedeutet dieselbe Aktion in jeder Halle dasselbe.
Für Zuschauende lohnt sich deshalb ein einfacher Perspektivwechsel: Statt auf den Punktestand zu schauen, lässt sich mitzählen, wie viele Angriffe eine Mannschaft ungenutzt lässt. Ein Ballverlust kostet einen vollständigen Ballbesitz, ein übereilter Wurf nach wenigen Sekunden verschenkt Zeit, die die Verteidigung sonst hätte aufwenden müssen. In dieser Rechnung liegt ein grosser Teil dessen, was am Ende als Überlegenheit erscheint.
Ressort
Basketball
Fusswege, Fristen und Hallenmasse: drei Ebenen, auf denen sich ein Spiel vom Rand aus lesen lässt.
Wie eine Zone aufgebaut wird, welche Räume sie bewusst offen lässt und woran sich erkennen lässt, ob gerade Mann gegen Mann oder in Zonen verteidigt wird.
Sprint, Keirin, Verfolgung, Punktefahren: Wer die Programmfolge liest, erkennt, welche Rennen über Antritte entschieden werden und welche über Rhythmus.
Frühe Einheiten auf hartem Schnee, bevor im Tal die Saison beginnt.
Glossar
Begriffe aus sechs Sportarten
Knappe Definitionen für Wörter, die in Reglementen selbstverständlich wirken und ausserhalb selten erklärt werden.
Zwischenzeit · Leichtathletik
Eine Messung an einem festgelegten Punkt der Strecke. Sie zeigt die Aufteilung eines Rennens, nicht das Endergebnis.
Windmessung · Leichtathletik
Die Erfassung der Luftbewegung in Laufrichtung bei Sprints und Sprüngen im Freien. Für Bestenlisten gilt eine Obergrenze beim Rückenwind.
Unterwasserphase · Schwimmen
Der Abschnitt nach Start und Wende, in dem unter der Oberfläche geschwommen wird. Das Regelwerk begrenzt seine Länge.
Überlaufrinne · Schwimmen
Die Rinne am Beckenrand, die Wellen aufnimmt und ableitet, statt sie ins Becken zurückzuwerfen.
Court Pace Rating · Tennis
Eine Einordnung von Spielbelägen nach dem Tempo, das der Untergrund zulässt. Sie beruht auf Messungen des Absprungverhaltens.
Ranglistenpunkte · Tennis
Die Wertung eines Turnierergebnisses innerhalb eines rollenden Jahres. Sie verfällt, sobald das Turnier ein Jahr zurückliegt.
Angriffszeit · Basketball
Die Frist, innerhalb derer ein Ballbesitz zu einem Korbwurf führen muss. Sie begrenzt jeden Angriff und hält die Zahl der Ballbesitze beider Seiten ähnlich.
Zonenverteidigung · Basketball
Eine Verteidigungsform, bei der jede Person einen Raum statt einer Gegenspielerin oder eines Gegenspielers übernimmt. Die Zuständigkeit wechselt mit dem Ball.
Überhöhung · Radsport
Die Neigung des Bahnbelags in den Kurven eines Velodroms. Sie hält das Rad in der Spur, wenn das Tempo hoch ist.
Messlinie · Radsport
Die schwarze Linie am inneren Rand der Radrennbahn. Sie markiert die kürzeste zulässige Strecke, auf der Bahnlängen gemessen werden.
Kurssetzung · Skisport
Das Anordnen der Tore auf einer alpinen Strecke. Sie entscheidet über Rhythmus, Linienwahl und Belastung im Zielhang.
Besichtigung · Skisport
Die Fahrt entlang der abgesperrten Strecke vor dem Rennen. Gefahren wird langsam und neben den Toren, um die Linie einzuprägen.
Redaktion
Wie wir arbeiten
Drei Sätze zur Grundlage unserer Texte, zu den Grenzen dieses Magazins und zum Umgang mit Fehlern.
Woher die Angaben stammen
Grundlage sind die öffentlich zugänglichen Reglemente und technischen Vorgaben der Fachverbände sowie Fachliteratur zu Trainingslehre und Sportstättenbau. Wo sich eine Zahl nicht sauber belegen lässt, beschreiben wir den Sachverhalt qualitativ.
Was hier nicht erscheint
Kein Ergebnisdienst, keine Tabellenstände, keine Einschätzungen zu Ausgängen von Wettkämpfen, keine Angaben zu Verträgen. Wir verweisen auch nicht auf Übertragungen und führen keine Verzeichnisse von Anbietern.
Korrekturen
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